Ignaz Anton Demeter

Mann mit Visionen und berufener Pädagoge

Von Heiko Peter Melle

demeter-130x147Als ein 28-jähriger Priester 1802 das Lautlinger Pfarrhaus bezog, konnte niemand wissen, welche pädagogischen Fähigkeiten in dem jungen Ignaz Anton Demeter stecken. Es waren wahrlich raue Zeiten und die napoleonischen Eroberungszüge hinterließen in Württemberg tiefe Wunden.

Das beschauliche Dörflein Lautlingen kannte bis dahin nur unregelmäßige Schulzeiten, die sogenannte Winterschule. Im Schulhaus, das die Gemeinden Lautlingen und Margrethausen gemeinsam betrieben, wurden alle Jahrgänge in einem gemeinsamen Raum unterrichtet. Oftmals mussten die Kinder aber eher bei der Feldarbeit helfen als dass man sie in die Schule schickte.

Die vorgefundenen Schulverhältnisse konnten dem jungen Pfarrer Ignaz Anton Demeter nicht genügen. Geboren 1773 und aufgewachsen in Augsburg, der Metropole Schwabens, genoss er dort den geordneten Unterricht in der Stadtschule und später des Salvator Gymnasiums. Nachdem er dort seine Abschlussprüfungen absolviert hatte, kam Demeter 1793 an das Bartholomäerinstitut in Dillingen. Hier weckte sein Lehrer Johann Michael Sailer in dem jungen Studenten die Lust zu unterrichten und zu erziehen. Die Noten beweisen, dass hier eine schlummernde Begabung entdeckt wurde.

Ein Stipendium von Klemens Wenceslaus Schenk von Stauffenberg, dem damaligen Lautlinger Ortsherrn, der in Dillingen wohnte, machte die weitere Ausbildung zum Priester möglich und nach der Priesterweihe verbrachte er einige Jahre als Hilfspriester in Ried bei Jettingen, damals ebenfalls unter stauffenbergischer Herrschaft. Dort lernte Demeter auch Christoph von Schmid kennen, ebenfalls Priester und Autor des Gedichts „Die Kinder bey der Krippe“, das später zum bekannten Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ wurde. Die Freundschaft zwischen Demeter und Schmid war tief und Christoph von Schmid besuchte Demeter nachgewiesenermaßen später oft in Freiburg und man darf annehmen, dass er auch in Lautlingen ein gern gesehener Gast gewesen ist.

Seine Freunde und sein modernes Denken machten Demeter aber auch Neider – um nicht zu sagen Feinde. Die starren Strukturen der katholischen Kirche ließen freiheitliches Denken damals nicht zu und so kam es sogar zu einer nächtlichen Hausdurchsuchung. Es kam zwar nichts Vernünftiges dabei heraus, dennoch sein Mentor Klemens von Stauffenberg sah die Zeit gekommen, den jungen Pfarrer auf die erledigte Pfarrstelle im württembergischen Lautlingen zu präsentieren.

Im Februar 1802 bezog er das Lautlinger Pfarrhaus mit seiner Schwester Maria Viktoria Josepha, die ihm den Pfarrhaushalt führte. Hier gründete er eine Theatergesellschaft und die heute noch bestehende Musikkapelle. Er widmete sich der Seelsorge und noch viel mehr seinem Hang zum pädagogischen Unterricht. Der junge Demeter unterrichtete alle Fächer an der katholischen Bekenntnisschule und führte als erstes den geregelten Ganzjahresunterricht ein.

Seine Lehrmethoden waren durchaus erfolgreich und er begann, interessierte Kollegen zu unterweisen. Der Erfolg gab Demeter Recht, er verfasste erste Lehrschriften, die selbst bis nach Stuttgart durchdrangen. In Lautlingen richtete er ein erstes Lehrerseminar ein und wurde zum „königlichen Oberschulcommissär“ berufen. Von den pädagogischen Schriften, die meist beim Verlag Herder in Freiburg erschienen, hat sich indes wenig erhalten. Im Lautlinger Pfarrhaus herrschte reges Treiben, denn aus ganz Württemberg kamen Lehramtskandidaten, um die neuen pädagogischen Grundsätze zu erlernen.

Es blieb nicht aus, dass auch im badischen Nachbarland die Reputation des Pfarrers Ignaz Anton Demeter bekannt wurde, und 1808 erhielt er von Großherzog Carl Friedrich von Baden das Stellenangebot als Direktor und Lehrer am neuorganisierten Lehrerseminar in Rastatt. Ein Angebot, das Demeter nicht ablehnen konnte, zumal der Generalvikar der sich in Auflösung befindenden Diözese Konstanz, Ignaz Heinrich Karl Freiherr von Wessenberg, viele gute Worte eingelegt hatte. Das Dörflein auf der Alb verlor einen Seelsorger und hervorragenden Lehrer, aber seine Arbeit zeigte Wirkung, denn 1811 wurde in der heutigen Von-Stauffenberg-Straße, im Oberdorf, ein neues, helles und freundliches Schulhaus nach neuesten Grundsätzen erbaut. Demeters Schüler waren daran beteiligt und setzten so sein Werk hier fort. Am Neujahrstag 1809 hielt er seine Abschiedspredigt in der alten Pfarrkirche und zog am 5. Januar nach Rastatt.

Für Demeters weiteren Lebenslauf verweisen wir auf die Festschrift „200 Jahre Musikkapelle Frohsinn“, erschienen 2003. Nur soviel: Nach verschiedenen Stationen als Pädagoge und Pfarrer, teilweise starken gesundheitlichen Problemen wählte man Demeter zum zweiten Erzbischof von Freiburg. Eine Wahl, die von allen möglichen Seiten, hauptsächlich aber von der badischen Regierung beeinflusst wurde und die nur durch Papst Gregor XVI „geheilt“ werden konnte. Erzbischof Ignaz Anton Demeter verstarb am 21. März 1842 und wurde im Freiburger Münster begraben.